Ira kann wieder richtig hören und Anja richtig sehen

IraDas hätte sich die siebenjährige Ira Kutowa (links) aus der in der Tschernobylregion liegenden weißrussischen Stadt Tscherikow wohl niemals träumen lassen: Sie kann wieder richtig hören.
Ira wurde im Rahmen der Kinderfreizeit 2010 für 20 Tschernobylkinder von unserem Verein für drei Wochen zum Erholungsaufenthalt in die Kurstadt eingeladen (siehe Menü „Informationen“ und „Kinderfreizeit“). Schnell stellte sich heraus, dass das Kind auf beiden Ohren fast taub war. Der Verein hatte einen Spendenaufruf für ein Hörgerät für Ira ausgegeben, auf den Oberbürgermeister Michael Korwisi (2. Bild: OB Korwisi, der selbst 700 Euro spendete lud Ira zusammen mit der Betreuerin Tatjana Madudina ins Rathaus ein) aufmerksam wurde und selbst die Bad Homburger zu Spenden für Ira aufrief. Binnen kürzester Zeit kamen knapp 11 000 Euro zusammen. Ira kam in der Schule nicht mit und hat durch ihre Taubheit auch sprachliche Defizite. Zudem konnte Ira nicht definieren, aus welcher Richtung Geräusche kommen, ob von vorne, von der Seite oder von hinten. All das hätte auch zu einer baldigen Schädigung ihres Gehirns geführt.
Nach einer eingehenden Untersuchung im Fachgeschäft Fiebing in Bad Homburg erhielt Ira nun für beide Ohren hochwertige Hörgeräte (3. Bild). Vom Verein waren der 1. Vorsitzende Michael Grüning sowie Tanja Grüning und Bernd Ehmler dabei, als der Hörgeräteakustiker Thomas Müller die Hörgeräte bei Ira anpasste. Ira selbst war sehr aufgeregt, denn sie wustte nicht, was auf sie zukam. Daher interessierte sie sich auch mehr für die bereitgestellten Bonbons als für die Geräte, die Thomas Müller über eine Stunde lang an Iras Ohren anpasste.
Ira bei OBDoch dann kam der große Moment: Die Hörgeräte sind aktiviert! „Ich habe die Geräte auf die niedrigste Stufe eingestellt“, berichtet Thomas Müller, „Ira wäre sonst sehr irritiert.“ Die mitgelieferte lernfähige Fernbedienung ist auf drei Programme eingestellt: Bei lauten Umgebungsgeräuschen reduzieren sich die Frequenzen, bei leisen Geräuschen ist es umgekehrt. In der dritten Programmierung erhöht sich das Hörverhalten stufenweise.
Thomas Müller hat des Weiteren ein Ultraschall-Reinigungsgerät, eine russische Bedienungsanleitung und jede Menge Batterien beigefügt, die bis zum Herbst ausreichen sollen. Denn bei der Hörleistung, die die Geräte bei Ira hergeben müssen, müssen die Batterien der Hörgeräte alle sieben bis zehn Tage ausgewechselt werden.
Draußen vor der Ladentür bleibt Ira zunächst überrascht stehen und lauscht, welche Geräusche nun an ihre Ohren dringen. Mit offenem Mund schaut sie nach links und nach rechts und blickt ihre drei Begleiter ungläubig an. Sie fasst sich an die Ohren und tastet noch einmal, was da an der Ohrmuschel sitzt. Erstmals reagiert Ira, wenn man sie normal mit ihrem Namen anspricht. Bislang musste man sehr laut sprechen oder ganz nah an Ira herangehen.
„Einen ganz großen Dank an alle, die gespendet haben und es möglich gemacht haben, dass Ira fortan ein neues Leben führen kann“, sagt Michael Grüning. Für die Nachhaltigkeit der Versorgung steht der Verein ein und garantiert, dass Ira weiterhin mit Batterien oder sonstigen Teilen für ihre Geräte versorgt wird. Ein bis zwei Mal im Jahr fährt der Verein in den Landkreis Tscherikow Ira im FachgeschaeftIra mit Hoergeraetin sein Projektgebiet und wird Ira dabei mit dem Nötigen versorgen. In fünf Jahren soll Ira wieder nach Bad Homburg zur Nachsorge kommen. Dann soll geschaut werden, ob die Geräte noch richtig passen und arbeiten. Für alle diese Aktionen sollen die Spendengelder ausschließlich für Ira verwendet werden.

 

 

AnjaAuffällig war auch das Verhalten der zwölfährigen Anja Schupegina aus dem Dorf Weremejki bei der Kinderfreizeit 2010. Sie blinzelte stark sodass der Verdacht nahe lag, dass sie schlecht sieht. Kurz vor der Rückreise der Kindergruppe war Michael Grüning mit Anja beim Optiker Claus Krell, der schon Jahre zuvor bei den Kindern aus dem Landkreis Tscherikow kostenlos die Augen untersucht hatte. (Bild links: Optiker York von Lüde von Optik Krell untersucht Anjas Augen.) Schnell stellte sich heraus, dass Anja unter starker Kurzsichtigkeit  (-6 Dioptrien) leidet. So steht fest, dass auch Anja in der Schule zwar alles mitbekommt, aber nicht lesen kann, was vorne an der Tafel steht. Anja durfte sich im Optikergeschäft kostenlos ein Brillengestell aussuchen, die Gläser kommen kostenlos dazu. Da die Brille bis zu Anjas Abreise nicht fertig wurde, wird sie an Michail Kaslowski vom Bad Homburger Partnerverein in der weißrussischen Hauptstadt Minsk, der demnächst bei Michael Grüning zu Gast sein wird, übergeben, der die Brille an Anja weiterleiten wird. Die Brille direkt auf dem Postweg nach Weißrussland zu versenden, ist zu riskant. „Es ist toll, dass Optik Krell dies für Anja getan hat“, lobt Michael Grüning das Engagement des Optikers, „vielen Dank dafür!“

Pünktlich zum Schulanfang in Weißrussland, der dort immer am 1. September ist, hat Anja ihre Brille erhalten. Michail Kaslowski von unserem Partnerverein "Hoffnung für die Zukunft" in Minsk war wie versprochen Ende August 2010 in Bad Homburg bei Anjas BrilleMichael Grüning zu Anjas BrilleBesuch, der die fertige Brille mittlerweile vom Optiker Claus Krell erhalten hatte. Michail Kaslowski nahm die Brille mit nach Minsk, von wo aus er sie nach Weremejki an unsere Mitarbeiterin Wala Baranowa geschickt hatte.  Für Anja Schupegina war der Weg nicht weit, kommt sie doch aus dem selben Ort. Wala hat die Brille in ihrer Wohnung an Anja übergeben. Groß war die Freude des Mädchens, dass es tatsächlich die Brille war, die sie sich in Bad Homburgf ausgesucht hatte und dass sie jetzt alles klar und deutlich erkennen kann. Übrigens hat Anja auf den beiden unteren Bildern Kleidung an, die sie über unseren Verein bei der Kinderfreizeit im Rahmen der Einkleidung der Kinder erhalten hatte.