Kinderfreizeit vom 9. bis 30. Juli 2011: Eine wunderschöne Zeit für 19 Kinder zwei Betreuerinnen und einer Begleiterin
19 Kinder, zwei Betreuerinnen und die Mutter eines Kindes mit Behinderung aus dem heute noch nach dem GAU von Tschernobyl radioaktiv belasteten weißrussischen Landkreis Tscherikow befanden sich auf Einladung unseres Vereins zu einem dreiwöchigen Erholungsaufenthalt in Bad Homburg. Als sie am 30. Juli wieder ihre Heimreise antraten, haben sich die Körper und das Immunssystem der Kinder für die nächsten drei bis vier Jahre erholt.
Als die Kinder in Bad Homburg ankamen, hatten viele nicht mehr dabei, als was sie am Leib trugen, vielleicht noch eine Plastiktüte, in der sich eine Unterhose für die nächsten drei Wochen befand. Darum wurden die Kinder in der Bad Homburger Jugendherberge, wo sie untergebracht sind, erst einmal von Kopf bis Fuß eingekleidet. Vor allem mit Schuhen, an denen es bei den Kindern am meisten gemangelt hat.
Der Ortsverband Bad Homburg des Deutschen Frauenrings hat den Kindern hochwertige warme Herbst- und Winterjacken spendiert (2. Bild links) und von der Bad Homburger Karstadt-Filiale haben die Kinder Kleidung im Wert von 1000 Euro erhalten.
Mit der neuen Kleidung und dem guten Essen in der Jugendherberge sind die Kinder binnen kürzester Zeit richtig aufgeblüht. Auch wenn für sie das deutsche Essen genauso wie der Umgang mit Messer und Gabelzunächst gewöhnungsbedürftig war, werden die
Teller zwei- bis dreimal gefüllt.
Warum ist das so? Abgesehen davon, dass sich Weißrussland in einer tiefen Wirtschaftskrise befindet, waren Lebensmittel und Kleidung in diesem Land für die Menschen dort immer fast unerschwinglich. Die Preise dafür liegen leicht über denen wie in Deutschland, doch ein Weißrusse verdient im Schnitt 100 Euro im Monat – wenn er denn Arbeit hat. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Tscherikow liegt bei über 70 Prozent. In dieser ausschließlich von der Landwirtschaft abhängigen Region sind die Böden 25 Jahre nach dem GAU von Tschernobyl immer noch mit radioaktiven Substanzen verseucht, besonders das Cäsium -137 ist der
Auslöser vieler gesundheitlicher Beschwerden. Doch die Menschen, die in dieser Region leben, bauen in diesen Böden ihre Lebensmittel an, um überhaupt etwas zu essen zu haben. Der Landkreis Tscherikow ist das Projektgebiet des Vereins „Patenschaften für Tschernobylkinder Bad Homburg“. Er unterstützt speziell Waisenkinder und Kinder aus sozial schwachen Familien. So sind 19 Kinder derzeit in Bad Homburg, wovon 15 im April vor Ort in das Patenschaftsprojekt des Vereins aufgenommen wurden. Sie sind zwischen acht und zwölf Jahre alt bis auf die 14-jährige Alina Maysejewa (3. Bild links: Alina auf einem Polizeimotorrad bei der Motorrad-Staffel der Polizei Frankfurt.). Das Mädchen kam ohne Speiseröhre auf die Welt und hat die meiste Zeit
seines Lebens im Krankenhaus verbracht. Zum ersten Mal darf sie reisen, aber nur in Begleitung einer Betreuungsperson, in diesem Fall ihre Mutter. Es ist sehr schön zu sehen, wie glücklich Alina und ihre Mutter Natalja in Bad Homburg sind. Ihre Dankbarkeit ist sehr groß, dass dieser Aufenthalt durch den Bad Homburger Verein ermöglicht wurde.
Die neunjährige Ira Kutova kennt Bad Homburg schon vom letzten Jahr. Da hat sie dank vieler Spenden Hörgeräte für beide Ohren erhalten, denn Ira ist zu 90 Prozent taub. Der Verein hat sie für dieses Jahr nochmals eingeladen, um das Hörgerät zu überprüfen und neu zu justieren (Bild oben rechts). Alle anderen Kinder sind zum ersten Mal auf Reisen. Die meisten kommen aus Dörfern, wo sie in entsetzlicher Armut leben, ein Teil kommt aus Tscherikow selbst.
In einem Optikergeschäft in den Louisen Arkaden wurde an den Kindern eine kostenlose Augenuntersuchung vorgenommen. Dabei wurde bei der elfjährigen Nadja Shupliakowa eine Weitsichtigkeit festgestellt. Das Mädchen durfte sich ein Brillengestell aussuchen, die Gläser wurden vom Optikergeschät gesponsert (2. Bild rechts). Nadja hat, wie einige andere Kinder auch, in Bad Homburg eine Patin gefunden. 
Susanne N. hat das Mädchen in der Jugendherberge kennengelernt und sogleich in ihr Herz geschlossen (3. Bild rechts). Sie hat nicht lange überlegt, die Patenschaft für Nadja zu übernehmen. Susanne N. kam oft in die Jugendherberge, um bei ihrem neuen Patenkind zu sein und um mit ihr zu spielen. Auch andere Paten haben ihre Patenkinder in der Bad Homburger Jugendherberge kennengelernt.
Die Kinder wurden im Rathaus von Oberbürgermeister Michael Korwisi, Stadträtin Beate Fleige und Stadtrat Dieter Kraft begrüßt (Bild links: Die Kinder mit Bad Homburgs Oberbürgermeiuster Michael Korwisi ,r., und dem stv. Stadtverordnetenvorsteher Peter Braun, l.). Hier wurde vereinbart, dass die Kinder aus Weißrussland Bad Homburger Kinder bei der Stadtranderholung am Peter-Schall-Haus kennenlernen.
Ansonsten hatten die Kinder dank vieler Sponsoren ein umfangreiches Erlebnisprogramm. Die Pferde- und Hundestaffel der Polizei Frankfurt hatte die Kindergruppe eingeladen und mit der Wasserschutzpolizei konnten die Kinder mit dem Polizeiboot auf dem Main 
fahren. Auch der Frankfurter Kanu-Verein hat den Kindern ein großartiges Erlebnis beschert: Eine Fahrt mit dem Drachenboot auf dem Main (Bild links) , wo alle Kinder ruderten und Vereinsmitglied Bernd Ehmler vorne an der großen Trommel den Takt angab. Einen Freizeitark wie die Lochmühle (Bild unten links) oder das Taunus-Wunderland kannten die Kinder bislang nicht. Beide Freizeitparks haben den Kindern einen kostenfreien Eintritt ermöglicht. Die International Police Association (IPA) hat die Kinder mit einem Polizeibus an der Jugendherberge abgeholt und ist mit ihnen nach Rüdesheim gefahren. Mit der Seilbahn ging es hinauf zum Niederwalddenkmal und wieder hinunter nach Aßmannshausen mit anschließender Schiffsfahrt auf dem Rhein. Die Feuerwehr Wiesbaden hat die Kinder zu einem erlebnisreichen Tag eingeladen, wo auch eine Fahrt mit dem Löschboot auf dem Rhein vorgesehen war. Die Hubschrauberstaffel der Polizei mit Standort Egelsbach hat die Kinder zum Staunen verführt. Zwei Bad
Homburger Eissalons spendierten den Kindern mehrere Male Gratisportionen. Das kostenlose Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln wurde ermöglicht und, was das Größte für die Kinder war, die vielen Besuche im Seedammbad, das auch kostenfreien Eintritt gewährte. Ein besonderer Dank gilt dem Lions Club Bad Homburg Hessenpark, ein Sponsor des Bad Homburger Vereins. Über ihn konnte ein Kontakt zu Rewe hergestellt werden, der die Kinder während ihres Aufenthalts mit Obst und Getränken und Hygieneartikeln versorgte und alles für die Grillnachmittage zur Verfügung stellte.
Vollbepackt und mit vielen Erinnerungen an Bad Homburg werden die Kinder am Samstag ihre 2200 Kilometer lange Heimreise mit dem Bus antreten. Die Kinder werden, wie die Kindergruppen zuvor, noch monatelang voller Begeisterung erzählen. Alina sicherlich auch, doch sie muss im August wieder ins Krankenhaus.
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