Weihnachtsaktion 2010 für große Ziele unseres Vereins

Für unseren Verein steht bei der diesjährigen Weihnachtsaktion die Fertigstellung des Psychologischen Zentrums, einem Anbau am Tscherikower Waisenhaus, und die Realisierung eines Familienwaisenhauses im Vordergrund. Darüber hinaus wollen wir auf vielfachen Wunsch der Paten ihren Patenkindern Weihnachtspäckchen zukommen lassen. Alle Waisenkinder im Tscherikower Waisenhaus sollen ebenfalls ein Weihnachtspäckchen erhalten. Somit kann über 100 Kindern im Landkreis Tscherikow zu Weihnachten eine Freude gemacht werden. Die Präsente werden von unseren „Außendienstmitarbeitern“ Valentina und Andrej Baranow vor Ort besorgt und liebevoll verpackt werden. Pakete von Deutschland nach Weißrussland zu schicken ist immer ein Risiko, da man nie genau weiß, ob die Pakete vollständig oder überhaupt ankommen. Zudem ist das Porto oft teurer als der Inhalt des Pakets. Unterstützt werden wir für diese Ziele in diesem Jahr von einigen Institutionen und Firmen wie zum Beispiel dem Lions Club Bad Homburg-Hessenpark, der Firma Data One in Saarbrücken, der Commerzbank-Filiale in Bad Homburg (siehe Aktion am 30. November 2010) und hoffentlich von sehr vielen Spendern, die unsere Vorhaben Wirklichkeit werden lassen wollen.
Laut einem aktuellen Bericht von UNICEF gibt es in Weißrussland über 32.000 Waisen und Kinder ohne elterliche Fürsorge. Über 15.000 Kinder befinden sich in staatlichen öffentlichen Einrichtungen. Über 80 Prozent sind es nicht Kinder, deren Eltern gestorben sind, sondern „soziale Waisen“ – Kinder, die Eltern haben, die aber nicht in der Lage oder nicht willens sind, sich um sie zu kümmern. Nachdenklich machende Erfahrungen besagen, dass etwa die Hälfte dieser Kinder nach dem Ablauf der Vormundschaft seitens des Staats keinen Platz im Leben findet. Die Lage wird weder durch soziale Vergünstigungen noch durch staatliche Zuschüsse verbessert. Nachdem viele Waisen volljährig geworden sind, wiederholt sich das Schicksal ihrer Eltern bei ihnen.
Das Projekt „Familienwaisenhaus“ unseres Vereins zielt auf die Unterstützung von Waisen und gefährdeten Kindern in seinem Projektgebiet im weißrussischen Landkreis Tscherikow. Dabei hat unser Verein die Reduzierung der Zahl der Kinder in staatlichen Waisenhäusern sowie die Erhöhung der Zahl der Kinder, die wieder in ihren Familien oder in einer familiären Umgebung untergebracht werden, im Blick.
In Weißrussland gibt es derzeit 27 Familienwaisenhäuser, die auch von ausländischen Hilfsorganisationen errichtet wurden. Zurzeit werden dort 237 Kinder erzogen. Die Hauptrichtung im Rahmen dieses Projekts sind humanitäre Hilfe, psychologische Rehabilitation und juristische Unterstützung der Kinder, Berufsorientierung sowie Teilnahme an Kultur- und Sportveranstaltungen. In einem Familienwaisenhaus werden bis zu acht Kinder untergebracht, die bei einem pädagogisch ausgebildetem Ehepaar in einem familiengleichen Umfeld erzogen werden. Dort fühlen sich die Kinder geliebt und umsorgt. Diese Art von Waisenhäusern betrachten die Kinder als ihre Heimat.
Derzeit sind wir auf der Suche nach einer brauchbaren Immobilie, die entsprechend den Bedürfnissen aus- und umgebaut werden wird. Rund 80.000 Euro wird dieses Vorhaben kosten.
alesiaDas Waisenhaus in Tscherikow, das von unsunterstützt wird, ist ein Durchgangs-Waisenhaus, in dem maximal 62 Kinder Platz finden. In der Regel sind es meist mehr Kinder, die dann im örtlichen Krankenhaus untergebracht werden. In dieses Waisenhaus kommen die Kinder für etwa ein halbes Jahr. In dieser Zeit wird versucht, den Eltern psychologische Unterstützung mit Rat und Tat zu geben, damit sie sich wieder fangen und die Kinder bei ihnen leben können. Gelingt das nicht, kommen die Kinder nach dieser Zeit in ein staatliches Waisenhaus irgendwo im Lande.
In diesem Zusammenhang ist neben einer Projektpatenschaft, die wir anbieten, die vielen Familien von betroffenen Kindern hilft, der Anbau am Waisenhaus für uns von großer Bedeutung. In dem Gebäude, das mit Spendengeldern saniert wird, soll unter anderem das Psychologische Zentrum untergebracht werden, in dem „problematische Familien“ und Familien, die sozial ins Abseits gerutscht sind, wieder auf den „richtigen Weg“ gebracht werden. Geleitet wird diese Abteilung durch geschultes Personal. Dass diese Mitarbeiter ihre schwierige aber sehr wichtige Aufgabe mit aller Ernsthaftigkeit durchführen können, davon konnten sich Vereinsmitglieder vor Ort selbst überzeugen. Deshalb soll der Innenausbau des Gebäudes, der sich noch im Rohzustand befindet, schnellstmöglich fertiggestellt werden, damit das Psychologische Zentrum seine wichtige Arbeit aufnehmen kann und dadurch verhindert wird, dass sich vor allem so viele Kinder aus Verzweiflung das Leben nehmen. Außerdem bietet das Gebäude vier weitere Wohneinheiten für Waisenkinder.
Wir möchten weitere Spendengelder sammeln, damit das Gebäude so schnell wie möglich fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben werden kann.
alesiaalesiaDass die psychologische Betreuung von Eltern zum Erfolg führen kann, zeigt das Beispiel der zehnjährigen Alesia aus Tscherikow, die Paten in Bad Homburg hat. Michael Grüning, der 1. Vorsitzende des Vereins, und die Vereinsmitglieder Ute Hansmann, Stephanie Grüning und Bernd Ehmler haben das Kind im April 2010 im Rahmen einer Erkundungsfahrt im Tscherikower Waisenhaus kennengelernt (Bild oben links. Neben ihr steht Ira, die auch in Bad Homburg zum Erholungsaufenthalt war und ein Hörgerät erhalten hat. Rechts ist Julia zu sehen). Alesia wurde ihren Eltern von Amts wegen weggenommen, weil sie sie haben verwahrlosen lassen. Alesia wurde von uns zum Erholungsaufenthalt nach Bad Homburg eingeladen, wo sie sich prächtig erholte. (Bild unten links: Alesia mit ihren Bad Homburger Paten). Auf dem Weg durch den Bad Homburger Kurpark Richtung Seedammbad konnte man einem ernsten Gespräch lauschen, das Alesia mit ihrer Freundin Kristina führte: „Wenn wir wieder Zuhause sind, kommst Du dann ins Waisenhaus oder zu Deiner Mama?“, fragte Kristina Alesia. „Ich weiß es nicht“, antwortete Alesia betrübt, „ich glaube nicht, dass ich noch mal zu meiner Mama zurück kann.“
Kann sie doch! Dank der psychologischen Betreuung durch das Personal des Waisenhauses haben Alesias Mutter Elena Antonenko und ihr Vater Stanislaw Prodoljakin „die Kurve gekriegt“. Elena Antonenko hat sich sogar an eine Tscherikower Zeitung gewandt und sich in einem Artikel für die psychologische Betreuung und beim Bad Homburger Verein bedankt, der auch mit Bild veröffentlicht wurde. (Bild rechts: Zeitungsartikel, in dem sich Alesias Mutter in einer Tscherikower Zeitung über die psychologische Beratung des Waisenhauses und bei unserem Verein bedankt – Titel des Artikels: "Ich gebe Dich niemals wieder weg!")